Suche nach Erdbebenvorboten
in der Atmosphäre und Ionosphäre der Erde

In den letzten Jahrzehnten wurden vor Erdbeben Leuchterscheinungen und anomale Variationen des elektrischen Feldes in der erdnahen Atmosphäre beobachtet. Die Variationen des elektrischen Feldes werden durch die Ladungstrennung in Wolken geladener Aerosole (aus Wasser und Staub) unter Einfluss der Gravitation hervorgerufen - analog der Bildung von elektrischen Feldern während Gewitter in Wasserwolken. Gleichzeitig tritt ein paar Tage vor und bis ein paar Tage nach Erdbeben eine zusätzliche Ionisation der Atmosphäre durch Radon-Emanation auf. Die Anzahl der geladenen Teilchen nimmt zu und mosaik-artig verteilte elektrische Felder und Leuchterscheinungen werden häufiger beobachtet.

Dennoch kann man die Leuchterscheinungen nicht als Erdbebenvorboten nutzen. Entsprechend der Forschungsresultate von Papadoupolos (1999) wurden in den letzten 2000 Jahren nur bei 5% der starken Erdbeben mit Magnituden von M>6 etwa 5-6 Tage vor dem seismischen Schock Leuchterscheinungen - oder "Feuer" - registriert. Doch wenn die anomalen elektrischen Felder auch nicht stark genug sind, um sichtbares Licht zu erzeugen, so scheint es dennoch möglich zu sein, dass sie Pulse von Nichtgleichgewichts-Infrarotemissionen anregen. Die Erwärmung der emittierenden Atmosphäre scheint dabei geringer zu sein als die Empfindlichkeit der bisher registrierenden Geräten. Das heißt, in der Nähe von Epizentren sich herausbildender Erdbeben könnten mosaik-artig verteilte Quellen von Nichtgleichgewichtsstrahlung im Infrarotbereich existieren. Aufgrund der aufströmenden Luftmassen scheinen diese Quellen in Höhen von 10-15 km aufzutreten, so wie auch die seltenen sichtbaren Leuchterscheinungen. Jedoch hat bis heute noch keiner versucht, Nichtgleichgewichtsstrahlung im Infrarotbereich vor Erdbeben in der Atmosphäre zu registrieren und eine Spektralanalyse der Aufzeichnungen durchzuführen. Dies könnte eine weitere Möglichkeit sein, Erdbeben vorherzusagen (Liperovsky et al. 2008).

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